Momentan läuten in unserem Glockenturm an meinem Arbeitsort zwei Glocken. Nächstes Jahr wird eine Glocke durch zwei neue Glocken ersetzt und heute war der Tag des Glockengusses. Ich war recht aufgeregt, denn ich war mir sicher, dass mich der Glockenguss faszinieren wird.
Besuch
Die Glockengiesserei befindet sich in Innsbruck und für heute war eigentlich ein Besuch vor Ort geplant gewesen. Leider kam Corona dazwischen und deshalb wurde der Glockenguss heute Nachmittag per Livestream übertragen.Vorbereitung
Der Herstellungsprozess ist sehr aufwändig. Bereits am frühen Morgen wurde der Schmelzofen (Trommelofen) angefeuert, um das Glockenmetall zu schmelzen. Die Bronze besteht aus 80 % Kupfer und 20 % Zinn.
Traditionellerweise werden Glocken am Freitagnachmittag um 15 Uhr gegossen. Dies erinnert an die Sterbestunde Jesu Christi. Der Livestream startete um 14.30 Uhr mit einer Begrüssung und einem Gebet für das Gelingen des Gusses.
Erlenstamm
Die Temperatur im Ofen betrug 1‘100° C und jetzt wurde ein feuchter Erlenstamm in den Ofen eingeführt. Dieser verkohlte im heissen Metall und die Feuchtigkeit band die Gase im Metall. Somit ist das Metall weniger porös, was einen schöneren, längeren Nachklang bei den Glocken ergibt.
Guss
Jetzt wurde der Ofen kurz geöffnet und eine Metallprobe entnommen. Anscheinend war diese gut, denn das flüssige Metall wurde aus dem Ofen in einen aufgehängten kippbaren Behälter umgefüllt. Danach konnten die Glocken gegossen werden. Die flüssige Bronze floss in die vorbereiteten Gussformen und bei jeder Glocke wurde erklärt, wieviel sie wog, welchen Ton sie hat und für welche Kirche sie bestimmt war.
Bei jeder vollen Form, wurde sofort die Giessöffnung mit Holzkohle abgedeckt, damit Gase entweichen konnten und die Raumluft nicht zu schnell hineindrang.
Abschluss
Der Livestream endete mit einem Dank, dass man dabei war. - Die Glocken werden jetzt auskühlen und in einigen Tagen entmantelt werden.
Das war ein ganz eindrückliches Erlebnis, auch wenn ich das Giessen nur per Livestream mitverfolgen konnte. Ich bin immer noch sehr beeindruckt und freue mich riesig auf unsere neuen Glocken.
Dir wünsche ich einen frohen Freitagabend.
Liebe Grüessli
Eda💚






Wie schade, dass der Besuch in Innsbruck nicht stattfinden konnte - das wäre ein besonderes Erlebnis gewesen! Die Firma ist weltweit bekannt, das Werden der "eigenen" Glocken zu sehen ist nochmal so spannend und berührend. Viele gute Wünsche werden nun das Auskühlen begleiten und bald ist es dann soweit, dass ihr die fertigen Glocken ansehen könnt.
AntwortenLöschenEin schönes Wochenende und liebe Grüße
Erna
Das ist ja eine ganz besondere Vorweihnachtsgeschichte!
AntwortenLöschenBleibt gesund!
Herzlich
Astrid
Liebe Eda,
AntwortenLöschenselbst per Video ist es ein Ereignis, welches nicht jeder mitverfolgen kann. Schade, dass Du nicht vor Ort dabei sein konntest.
Liebe Grüße
Burgi
Ein toller Bericht. Meine Großeltern hatten auch eine kleine Kapelle. Als ihre Tochter - meine Tante - einen schweren Verkehrsunfall erlitt, schwor mein Opa, die Kapelle mit einer Glocke auszusatten, wenn sie wieder gesund wieder. An dieses Versprechen hat er sich gehalten. Nach ihrer Genesung wurde bei der Innsbrucker Firma eine Glocke bestellt... Ich mag die Kapelle sehr gern - für mich ist es ein kleiner Kraftort geblieben... Es war schön, Deinen Beitrag zu lesen und das Entstehen der Glocke nachzuerleben... Mich hat es an meine Großeltern erinntert... Übrigens war ich vor einem Jahr in der Adventzeit in Innsbruck und wir haben die Firma besucht. Sie haben einen wunderbaren Shop dabei und ich habe einige kleine Glöckchen gekauft, die jetzt im Garten läuten...
AntwortenLöschenWenn man deinen bebilderten Bericht liest, dann könnte man fast selbst die Glocke gießen, nein Spass beiseite, sehr anschaulich dargeboten. Die älteren Leser unter uns werden sich sicherlich an das Gedicht von Schiller erinnern "Die Glocke" Tief gemauert in der Erden steht die Form aus Lehm gebrannt....Bis man das im Kopf hatte, vergingen Zeiten.
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Edith