Sonntag, 17. Mai 2026

🥖 Schweizer Mühlentag - Bio-Mühle Geuensee

Früher, als die Kinder noch die Primarschule besuchten, unternahmen wir viele Ausflüge zu Römerstätten wie Vindonissa, Aventicum und Augusta Raurica. Wir nahmen auch an verschiedenen Anlässen rund um Legionäre und das Leben der Römer teil und diese gemeinsamen Zeitreisen begeisterten uns alle sehr.




Urgetreide Emmer
Bei einem dieser Anlässe wurde Korn von Hand gemahlen und anschliessend zu kleinen Brötchen gebacken. Ich erinnere mich noch gut, wie lecker sie waren. Immer wieder musste ich später an dieses besondere Getreide denken: Emmer!

Vor ein paar Wochen entdeckte ich eine kleine Bio-Mühle, die dieses wertvolle Urgetreide mit dem nussigen Geschmack selber anbaut, erntet und mahlt. Seither backe ich unser eigenes Emmer-Brot (wir nennen es Römerbrot) mit Cranberrys und Cashewnüssen. Ich mag es so sehr.

Gestern fand der 26. Schweizer Mühlentag statt und ich nutzte die Gelegenheit, die Bio-Mühle in Geuensee zu besichtigen. Auf einer Führung erfuhren wir vom Müller vieles über sein tägliches Handwerk mit den altehrwürdigen Maschinen aus den 1940er Jahren.


Annahmegosse und Lagerung
Die Bio-Bauernfamilien aus der Region liefern das Getreide direkt nach der Ernte in die Annahmegosse. Dort wird es zunächst grob gereinigt, bevor es anschliessend in den Silos eingelagert wird. Für die Lagerung verfügt die Mühle über sieben Silos mit einem Fassungsvermögen von je 8 bis 10 Tonnen. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 75 Tonnen Getreide verarbeitet. Es wird ausschliesslich Bio-Suisse-zertifiziertes Getreide verwendet.




Schädlingsbekämpfung
Da es sich um eine reine Bio-Mühle handelt, werden keine chemisch-synthetischen Mittel eingesetzt. Gegen Mäuse werden klassische Fallen verwendet. Um dem Kornkäferbefall vorzubeugen, wird nur so viel Getreide eingelagert, wie innerhalb eines Jahres verarbeitet werden kann.
Gegen Mehlmotten werden die Silos mit Kieselgur bestäubt, das die Insekten austrocknet. Dieses Pulver wird später bei der Reinigung wieder entfernt. Zusätzlich kommen Schlupfwespen zum Einsatz, die Eier und Larven der Mehlmotte parasitieren.


Rölle
Das Getreide wird aus den Silos weitertransportiert, wobei zunächst Steine entfernt werden. Anschliessend trennt der Röllstein die Körner vom Spelz. Der Spelz ist eine schützende Hülle aus strohähnlichem Material, die bei UrDinkel, Einkorn und Emmer vorkommt.

Röllstein: Der untere Stein ist feststehend, während sich der obere Stein dreht. Durch eine Öffnung im oberen Stein gelangt das Korn zwischen die beiden Steine, wodurch der Spelz vom Korn gelöst wird. Anschliessend werden die Spelzen mithilfe von Luft vom Korn getrennt.




Reinigung
Durch den Einsatz von Sieben und Luft werden die Körner von Verunreinigungen wie Unkrautsamen, Stroh und Staub befreit. Danach gelangen die gereinigten Körner in die Aufschüttung und werden für das Mahlen vorbereitet.




Walzenstuhl
Nach dem Aufschüttrichter gelangen die Körner zu den Schrotwalzen und werden in vier Arbeitsschritten schrittweise zerkleinert.

Steinmühle: Vollkornmehl wird in einer Steinmühle hergestellt. Dabei wird das ganze Korn zwischen zwei vertikal stehenden Steinen gemahlen. Da alle Bestandteile des Korns enthalten bleiben, ist kein Sieben erforderlich.

Flockenstuhl: Für die Herstellung von Flocken (z. B. Haferflocken) wird ein Flockenstuhl eingesetzt. Zwei rotierende Walzen pressen die Körner flach. Mithilfe eines Siebs werden anschliessend Mehlanteile von den Flocken getrennt.






Elevator
Der Elevator transportiert das Mahlgut vom Walzenstuhl zum Sichter. Im unteren Teil (Fuss) des Elevators füllen sich an einem Band befestigte Schaufeln mit dem Mahlgut und entleeren dieses oben in den Sichter.


Sichter
Im Sichter wird das Mahlgut gesiebt. Durch unterschiedliche Siebgrössen können verschiedene Mehlsorten wie Weissmehl, Halbweissmehl, Ruchmehl und Vollkornmehl hergestellt werden.


Absackstation
An der Absackstation wird das fertige Mehl aus dem Sichter in Säcke abgefüllt. Die gesamte Lagerung des Mehls erfolgt in Säcken.




Antrieb
Früher wurde die Mühle vom Dorfbach mittels eines Wasserrades angetrieben. Später wurde das Mühlenrad durch eine Turbine ersetzt, welche den Strom für den Elektroantrieb brachte.




Schönen Sonntagabend
Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, wirf gern noch einen Blick auf meinen letzten Post über die Diamantene Hochzeit meiner lieben Eltern und weiter geht es mit einem Post über das Blümchen-Trio in weiss, gelb und blau.

Wir sind jetzt wieder eingedeckt mit feinem Vollkornmehl und Flocken zum Frühstück. Ich wünsche euch einen gemütlichen Sonntagabend und morgen einen guten Start in die neue Woche.

Liebe Grüessli
Edith💚



5 Kommentare:

  1. Liebe Edith, wie schön Du bist zurück darüber freuen wir uns. Ich liebe Mühlen und die genauen Vorgänge sich ins Gedächtnis zu rufen finde ich auch wichtig zu schnell vergisst man immer wie viel Arbeit in so einem Lebensmittel liegt und vor allem wie wichtig es ist.

    Herzliche Grüße
    die Bienenelfen Kerstin und Helga

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  2. Liebe Edith,
    danke für diese ausführliche Beschreibung, wie Mehl etc. entsteht. Wenn man weiß, wie viele Arbeitsschritte notwendig sind, weiß man dieses Lebensmittel noch mehr zu schätzen.
    Wie du backe ich Brot gerne selbst , besonders, weil ich eine Glutenunverträglichkeit habe, und ´mir das gekaufte Brot so gar nicht schmeckt. Außerdem ist es gut zu wissen, was man verbackt. Ich liebe vor allem Buchweizen, der ein schön nussiges Aroma hat.
    Eine gute neue Woche und liebe Grüße in die Schweiz,
    Erna

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  3. Ein Mehl und Haferflocken direkt von der Mühle finde ich ganz hervorragend. Da weiß man, was drin ist und es ist vor allem unbehandelt ohne Zusatzstoffe.
    LG Elke

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  4. Liebe Edith,
    vor ewiglanger Zeit haben wir mal in Slowenien und Kroatien Urlaub gemacht und dort eine ähnliche Mühle besucht. Ich fand das sehr interessant. Und irgendwo habe ich neulich auch mal ein Emmerbrot gesehen. Aber das wird wohl sehr selten angeboten. Selbst backen ist natürlich toll.
    Herzliche Grüße – Elke

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  5. wie schön dass ihr die Mühle besichtigen konntet
    das ist wirklich interessant
    solche alten Mühlen gibt es ja nicht mehr so viele
    und Emmer ist ein sehr gutes Getreide
    jetzt kannst du wieder fleißig Brot backen ;)
    LG
    Rosi

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