Montag, 10. August 2026

🌾 Emmerbrot, nussig ursprünglich und mit viel Geduld

Manchmal beginnt ein gutes Brot nicht erst in der Küche, sondern schon auf dem Feld. Mein Emmermehl stammt aus einer lokalen Mühle, welche das Urgetreide selbst biologisch anbaut, hegt, erntet und mahlt.

Für meine feinen Brötchen verwende ich 1 kg biologisches Emmer-Vollkornmehl, steingemahlen. Die Zubereitung erfordert etwas Zeit.

Zwischenmahlzeit mit Emmerbrötchen, Käse und Konfi


Warum Emmer?
Als die Kinder noch kleiner waren, besuchte ich mit ihnen verschiedene Veranstaltungen rund um das Thema Römer. Wir erkundeten historische Orte in der Schweiz und im nahen Ausland. An einem Legionärstag wurde unter anderem Brot aus Emmergetreide gebacken. Ich werde meinen ersten Bissen davon nie vergessen, denn es war unglaublich lecker. Seitdem trage ich die Idee mit mir, dieses „Römerbrot“ selbst nachzubacken.

Emmer gehört zu den ältesten Getreidearten überhaupt und bringt einiges mit:
  • reich an Vitamin E, Eisen, Zink und besonders Selen
  • gute Proteinquelle mit wertvollen Mineralstoffen wie Magnesium und Zink
  • etwa doppelt so viel Beta-Carotin wie Weizen, was gut für die Immunabwehr ist.
Kurz gesagt: Ein Brot, das nicht nur satt macht, sondern auch ein bisschen „ich tue mir etwas Gutes“-Gefühl mitbringt.

Die Pflanze selbst ist genügsam, robust und kommt mit Trockenheit gut klar.


Vom Korn zum Mehl, nichts für Ungeduldige
Die Verarbeitung von Emmer habe ich in der Mühle Geuensee erklärt erhalten. Das Korn sitzt fest in seiner schützenden Hülle (Spelze) und muss zuerst entspelzt werden. Danach wird das Korn mit der Steinmühle gemahlen.


Backen mit Emmer, weniger Kraft, mehr Zeit
Der Teig ist etwas empfindlich und zu viel Kneten wird übel genommen. Was sich besonders bewährt hat:
  • Schonendes Kneten: weniger ist mehr
  • Lange Teigführung: Geduld statt Hektik
  • Dehnen und Falten: sanft statt kraftvoll

Rezept

Auf den ersten Blick sieht es etwas kompliziert aus. Bei mir lässt sich dieser Ablauf sehr gut in einen Sonntagvormittag integrieren.

Vorteig (stelle ich am Vorabend her)
  • 200 g Mehl
  • 4 g Salz
  • 2 g Frischhefe
  • 200 g Wasser

Alles vermischen und den Vorteig zugedeckt (feuchtes Küchentuch) für 9 h bei Raumtemperatur gären lassen. Der Vorteig ist zu Beginn der Garzeit recht flüssig.

Vorteig

noch recht flüssiger Vorteig


Brühteig (bereite ich am frühen Morgen zu)
Da Vollkorngetreide zum Austrocknen neigt, mache ich gerne einen Brühteig. Die Brötchen werden damit besonders frisch und haltbarer, weil das Mehl vorquellen kann und nicht später dem Hauptteig das Wasser entzieht.

  • 100 g Emmermehl
  • 150 g kochendes Wasser

Das kochende Wasser über das Mehl giessen und alles vermischen. Den Brühteig zugedeckt für 3 h im Kühlschrank auskühlen lassen.

kochendes Wasser für Brühteig

Brühteig noch heiss


Hauptteig (den mache ich dann von Mitte Vormittag bis Mittag)
  • 700 g Emmermehl
  • 16 g Hefe
  • 350 g Wasser
  • plus den obigen Vorteig und Brühteig
  • alles vermischen und 2 Minuten auf kleiner Stufe kneten
  • 16 g Salz beigeben und nochmals 5 Minuten auf kleiner Stufe kneten.

Jetzt den Teig für 90 Minuten gären lassen. Nach jeweils 30 Minuten den Teig dehnen und falten (den Teig auf einer Seite hochziehen und auf den gegenüberliegenden Rand legen, jeweils von allen 4 Seiten). Das Dehnen und Falten ergibt eine schöne Kruste.


Brötchen formen
Zuerst bemehle ich die Arbeitsfläche. Ich habe einfach sehr schnell überall in der Küche Mehl. Aus diesem Grund arbeite ich in einem Backblech und zwischen das Backblech und die Arbeitsfläche lege ich einen feuchten Lappen.

Pro Brötchen nehme ich ca. 100 Teig. Manchmal gebe ich noch ein paar Cranberrys oder eine Walnuss in die Mitte der Kugel. Heute ergänzte ich die Teiglinge mit getrockneten Mangostückchen. Grund: Diese haben mein Ehemann und ich gestern gekauft, also zweimal statt einmal.

Die Kugeln mit dem Verschluss nach oben 30 Minuten bei Raumtemperatur gären lassen. So sieht das dann aus:

Teiglinge mit Öffnung nach oben ruhen lassen

Brötchen formen mit Mangostückchen darin


Backen
  • Den Ofen auf 250° vorheizen und den Schamottstein auf der untersten Rille einfahren.
  • Die Teiglinge stürzen (der Verschluss ist nun unten) und die Teigoberfläche einschneiden.
  • Die Teiglinge auf den Schamottstein abschieben (nachfolgendes Foto) und die Backofen-Temperatur auf 210° reduzieren.

25 Minuten bei Unter- und Oberhitze backen. Wegen des Austrocknens würde ich nicht Umluft wählen. Das folgende Foto zeigt euch das Abschieben in den Ofen, das ist mit einer Hand (die andere Hand macht das Foto) noch schwieriger als sonst schon.

Emmerbrötchen am Abschieben in den Ofen

Emmerbrötchen frisch aus dem Ofen

Emmerbrot am Abkühlen nach dem Backen

Emmerbrot aufgeschnitten


Geniessen
Schon beim Öffnen des Backofens duftet es sehr fein und ich kann kaum warten, ein Brötchen zu geniessen. Sie sind so lecker. Ihr wisst jetzt, was ich morgen ins Büro zum ZNüni (Zwischenmahlzeit um Neun Uhr) mitnehme.

Emmerbrot ist kein Brot für schnell schnell, denn es benötigt Zeit und Aufmerksamkeit. Dafür wird man mit einem kräftigen, nussigen Geschmack belohnt und mit dem Gefühl, etwas Ursprüngliches geschaffen zu haben.

Ich wünsche euch einen guten Wochenstart.

Liebe Grüessli
Edith💚

9 Kommentare:

  1. Liebe Edith, früher hätte ich das gerne nach gebacken , Emmermehl ja das ist ein wundervolles Ur-Getreide und so gesund , ich habe das mal vor 10 Jahren ein Mischbrot damitgebacken. Ich kann mir das gut vorstellen wie das duftet!
    Herrliche Brötchen hast du daraus gebacken und lecker noch dazu.
    Der Teller mit Käse ach da bekomme ich Apetitt!
    Danke fürs teilen!
    Schönen Wochenstart wünsche ich dir!
    Lieben Gruss Elke

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    1. Liebe Elke, Emmer ist mein Lieblingsgetreide und ich suchte lange, bis ich das Bio-Mehl fand. LG Edith

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  2. Ich bin ja keine Bäckerin ( das war der Herr K. selig in unserer Hausgemeinschaft ), aber mit dem Emmer bin ich bekannt geworden, als mein Vater in seinem Dorf ein Museum entwickelt & aufgebaut hat. Ich komme nämlich aus DEM Anbaugebiet des Grünkern in Deutschland, dem Bauland ( Grünkern ist der unreife Dinkel ). Und da hat er die ganze Geschichte der Getreidekultur aufgegriffen und dargestellt. Bewusst gegessen habe ich ihn bisher nicht. Oder vielleicht unter dem Begriff "Zweikorn", das schon eher.
    Ein informativer Post!
    GLG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, oh das tönt ja interessant mit dem Museum deines Vaters. Die Geschichte der Getreidekultur kenne ich nur in den Grundzügen, leider. LG Edith

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  3. Ein Aufwand für leckere Brötchen, der sich auf jeden Fall lohnt.
    Vielen Dank auch für die ausführliche Erklärung zu diesem ursprünglichen Getreide.
    Liebe Grüße von Ingrid, der Pfälzerin

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    1. Sehr gerngeschehen, liebe Ingrid. Hab einen schönen Abend und lG Edith

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  4. Da habe ich heute wieder was gelernt liebe Edith, Emmer kannte ich bis eben nicht.
    Ein ziemlicher Aufwand für Brötchen, aber ich glaube, es lohnt sich, sie sehen lecker aus.
    Ganz lieben Gruß
    Nicole

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    1. Liebe Nicole, jetzt hast du das erste Mal von Emmer gehört und irgendwann geniesst du dann ein Emmer-Produkt und wirst begeistert sein. LG Edith

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  5. Seit vielen Jahren backe ich unser Brot auch selber, aber ich nehme ausschließlich Sauerteig. Emmermehl benutze ich auch sehr gern, auch Emmerkornflocken im Müsli. Einfach lecker!!! Brötchen backe ich sehr selten, zu aufwendig und schwupps sind sie wieder weg. Aber vielleicht probiere ich Dein Rezept ja doch mal an einem WE, aber dann mit Sauerteig. LG Gundi

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